Aus diesem Grund wurde branchenweit die Initiative „Gemeinsam für intakte Schwänze” ins Leben gerufen, bei der es sich um ein Verteilungsmodell handelt, in dessen Rahmen Schweinehalter, die Schweine mit intakten Schwänzen aufziehen, einen Kostenausgleich von allen dänischen Schweinehaltern erhalten.
Die Branche hat gerade sieben konkrete Initiativen für mehr Tierschutz vorgestellt, wobei eine der Initiativen eine Ausweitung der „Ganze Schwänze“-Regelung ist. Das Ziel lautet 1 Million Schweine im Jahr 2026 sowie ursprünglich 2 Millionen im Jahr 2027. Letzteres wurde auf 3 Millionen im Jahr 2027 und 4–6 Millionen im Jahr 2028 erhöht.
Die nächste Bewerbungsrunde für das Programm beginnt Ende April 2026.
Ein großer Wechsel – und eine gemeinsame Verantwortung
Der Übergang zu intakten Schwänzen ist ein kultureller Wechsel, bei dem eine seit vielen Jahren angewandte Praxis geändert werden muss. Es wird Herausforderungen geben, weshalb es laut Niels-Peder Nielsen, Chefberater im Schweinesektor des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft, entscheidend ist, dass man in der Branche das Wissen und die Erfahrungen der anderen nutzt, dass die Branche auf die Herausforderungen der Schweineproduzenten eingeht und sie so weit wie möglich unterstützt.
Niels-Peder Nielsen: „Wenn man von heute auf morgen die Schwanzkupierung einstellt, ohne neue Abläufe und geänderte bzw. angepasste Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, riskiert man vermehrte Schwanzbisse und damit eine Verschlechterung des Tierschutzes. Das müssen wir vermeiden, und das erfordert Verständnis und Geduld von allen.“
In Dänemark ist die Notwendigkeit von Schwanzkürzungen laut Gesetz zu dokumentieren
Die EU-Kommission hat alle EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, schriftliche Nachweise zu erbringen, dass vor dem Kupieren Risikobewertungen durchgeführt und Verbesserungsmaßnahmen ergriffen wurden. Diese Änderung stellt eine Verschärfung der zuvor bestehenden Regeln dar.
In Dänemark wurden bereits 2019 die gesetzlichen Anforderungen an die Dokumentation von Schwanzbissen vor einer Schwanzkupierung verschärft. Das bedeutet unter anderem, dass der Schweinehalter das Vorkommen von Schwanzbissen schriftlich dokumentieren, eine Risikobewertung in dem Bestand vornehmen und auf dieser Grundlage einen Aktionsplan erstellen muss.
Es muss immer ein Aktionsplan auf der Grundlage der Risikobewertung erstellt werden. Der Aktionsplan kann entweder darauf abzielen, darzulegen, wie identifizierte Risiken für Schwanzbisse behoben werden, oder wie man in dem Bestand plant, das Kupieren der Schwänze schrittweise einzustellen.
Die Dokumentationsanforderungen wurden verschärft, um sicherzustellen, dass das Kupieren der Schwänze nur dann erfolgt, wenn es zum Schutz des Wohls der Schweine vor Schwanzbissen unbedingt erforderlich ist.
Die wichtigsten Anforderungen sind:
- Risikobewertung: Der Schweinehalter muss eine schriftliche Risikobewertung durchführen, in der die Ursachen für Schwanzbisse im Bestand ermittelt werden.
- Aktionsplan: Ein Aktionsplan ist zu erstellen, in dem beschrieben wird, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Haltungsbedingungen zu verbessern und das Risiko von Schwanzbissen zu verringern. Und wenn keine Schwanzbisse auftreten, sollte schrittweise versucht werden, immer mehr Schweine ohne Schwanzkupierung zu halten.
- Dokumentation vom Abnehmer: Werden Schweine mit kupierten Schwänzen aus anderen Beständen eingeführt, muss eine Dokumentation über die Notwendigkeit seitens des ursprünglichen Bestands oder des Zwischenhändlers vorliegen.
- Aufbewahrung: Die Dokumentation muss bei Kontrollen vorgelegt werden, z. B. gegenüber der dänischen Lebensmittelbehörde oder der Zertifizierungsstelle, die die Kontrolle des DANISH-Qualitätssicherungssystems durchführt.
Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft, Niels-Peder Nielsen, Chefberater im Schweinesektor des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft.