Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft

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Neue Maßnahmen gegen Absetzdurchfall

SEGES Innovation und Kooperationspartner wollen effiziente Mittel gegen Diarrhoe bei Absetzferkeln entwickeln.

Seit im Zuge des Verbots ab 26. Juni 2022 Zinkoxid in dänischen Schweineställen nicht mehr zum Einsatz kommt, beschäftigt die Frage, wie man Ferkeldurchfall ohne zusätzliche Antibiotikagaben in den Griff bekommt, mehr denn je die Fachwelt. In Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen hat SEGES Innovation drei Projekte zur Entwicklung von alternativen Vorbeugemaßnahmen gegen Ferkeldurchfall in Angriff genommen.

Proteine von Lamas verhindern Darminfektionen

Zu den am weitesten fortgeschrittenen Projekten zählt der Futtermittelzusatz Ablacto+, dessen Nanobodies (Antikörperfragmente) durch Bindung und natürliche Abführung von Durchfallbakterien verhindern, dass sich diese an die Schleimhaut binden und im Darm ausbreiten können.

„Ablacto+, ein neues Produkt von Bactolife ApS, wird derzeit in unserer Versuchsstation Grønhøj erprobt. Es könnte gegen Ferkeldurchfall eine gute Alternative zu Antibiotika darstellen. Die verwendeten Proteine werden aus dem Blut von Lamas gewonnen und dann in einem Labor der ebenfalls am Projekt beteiligten Firma Novozymes kopiert“, erklärt Niels Jørgen Kjeldsen, Chefberater, SEGES Innovation.

Am vom GUDP (Grünes Entwicklungs- und DemonstrationsProgramm) geförderten Vorhaben sind neben Bactolife ApS, Novozymes und SEGES Innovation die Technical University of Denmark DTU und die Universität Aarhus beteiligt. An der Uni Aarhus wurde Ablacto+ bereits in einem Versuch getestet, in dem bei mit Colibakterien infizierten Tieren, die Futter mit Ablacto+ erhielten, im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger Colibakterien sowie verbessertes Wachstum der Tiere festgestellt wurden. Das Projekt wird voraussichtlich Ende 2022 abgeschlossen sein.

Impfstoff gegen Absetzdurchfall wird parallel zu Covid-19-Vakzin entwickelt

In einem anderen Forschungsvorhaben erforschen die Uni Kopenhagen, SEGES Innovation und der Impfstoffhersteller AdaptVac ein Vakzin gegen Absetzdurchfall. Hier kommen die auch bei der Entwicklung des dänischen Covid-19-Vakzins angewandten Technologien zum Einsatz. Projekt PIGVAC hat ein Budget von 14,7 Mio. DKK (ca. 1,9 Mio. EUR), davon 11 Mio. DKK Fördermittel des ‚Innovationsfonds‘.

„Die technologische Basis der lang anhaltenden Schutz bietenden Covid-Vakzine lässt sich auf andere Impfstoffe übertragen. Sie basiert auf virusähnlichen Partikeln, deren Oberfläche man mit auf das Behandlungsziel ausgerichteten Antikörpern versehen kann”, erklärt Poul Bækbo, Chefberater, SEGES Innovation.

Poul Bækbo: „Injiziert man den Impfstoff, wird er vom Körper als Virus identifiziert – und er bildet Antikörper gegen die Spike-Proteine auf der Oberfläche – wie wir sie vom Corona-Virus kennen.”

Durch Stärkung des Immunsystems bietet der Impfstoff Langzeitschutz gegen Lawsonia, Brachyspira und Escherichia coli. Im nächsten Entwicklungsschritt soll der Impfstoff an Sauen erprobt werden, die seine Antikörper dann über die Muttermilch auf ihre Ferkel übertragen. Das Vorhaben wird voraussichtlich im Dezember 2023 abgeschlossen sein.