Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft

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Freilaufhaltung von Sauen eröffnet neue Möglichkeiten

Gestaltung und Überwachung von Stallungen sowie Ergänzungsfutter für Saugferkel sind einige der Punkte, zu denen Schweineproduzenten in der zukünftigen Freilaufhaltung von säugenden Sauen Stellung beziehen müssen. Dies zeigen die ersten Ergebnisse mehrerer von SEGES Innovation und Kooperationspartnern durchgeführter Forschungsvorhaben.

Der Schweinesektor im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft empfiehlt Schweineproduzenten, neue Stallanlagen für die Freilaufhaltung von säugenden Sauen zu konzipieren. Um den Übergang von Kastenständen zur Freilaufhaltung für die Erzeuger sowie die Sauen und Ferkel optimal zu gestalten, erarbeitet SEGES Innovation an mehreren Fronten effiziente Lösungen für die bauliche Gestaltung und die Betreuung der Tiere. Im Fokus stehen dabei Lösungen, die sowohl Tierwohl als auch Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit berücksichtigen.

Während Sauen in Kastenständen da koten, wo sie liegen und fressen, werden sie in Freilaufhaltung ihren Liege- und Fressbereich zum Koten verlassen, würden also den gesamten Stall als Kotbereich nutzen können. Da Spaltenböden im gesamten Stall die Emissionen durch Gülle erhöhen würden, wäre eine Lösung mit teilweise planbefestigtem Boden sinnvoll, der gleichzeitig gute Liegeflächen sowie die notwendigen Nestbau- und Beschäftigungsmaterialien für Sauen und Ferkel ermöglicht.

Eine der Herausforderungen besteht in der Reinigung von planbefestigtem Boden. Das GUDP-Vorhaben (GUDP = Grünes Entwicklungs- und DemonstrationsProgramm) SOWEMIS soll Lösungen erarbeiten, die das Wohl der Sauen ebenso berücksichtigen wie die Emissionen. Dabei geht es u.a. darum, Sauen zum Koten in dafür vorgesehenen Bereichen zu motivieren. Ein bisheriges Ergebnis deutet an, dass quadratische Buchten weniger effizient sind als rektanguläre Lösungen, die besser in Zonen fürs Fressen, Ruhen und Koten aufzuteilen sind und die Tiere stärker motivieren, diese Zonen einzuhalten.

Kastenstände retten Leben

Um die Bewegungsfreiheit der Sauen und das Erdrückungsrisiko für die Ferkel gleichermaßen zu berücksichtigen, empfiehlt sich für die ersten 2-4 Tage nach dem Abferkeln der Einsatz von Kastenständen. Überwachungstests von SEGES Innovation belegen, dass Sauen bei Freilaufhaltung an den ersten beiden Tagen nach dem Abferkeln ohnehin mehr als 90 % der Zeit komplett still liegen. Die Sauen leiden in dieser Phase also nicht unter Einschränkungen durch Kastenstände, die andererseits das Überleben der Ferkel gewährleisten und somit sowohl dem Tierwohl als auch der Wirtschaftlichkeit dienen.

Künstliche Gesäuge

Freilaufhaltung bietet den Tieren mehr Platz als Kastenstände. Dies ermöglicht mehr Ferkel pro Sau. Folglich wird an Lösungen gearbeitet, die Sauen mehr Ferkel zuordnen können. SEGES Innovation und die Uni Aarhus haben gemeinsam den Prototypen einer so genannten ComfortCradle mit künstlichem Gesäuge entwickelt, womit an den ersten Tagen nach dem Abferkeln mehr Ferkel wechselweise mit Milch versorgt werden können. In zwei unterschiedlichen Versuchen bewirkte die ‚KomfortWiege‘ mit künstlichem Gesäuge, dass sämtliche Ferkel die ersten drei kritischen Tage überlebten. Der an den Versuchen beteiligte Schweineproduzent Kristian Vinther äußerte sich begeistert: „Mir gefällt der Ansatz, dass mehr Ferkel bei ihrer Muttersau bleiben können. Durch den Einsatz der ComfortCradle können wir auf Ammensauen verzichten. Je weniger Ammensauen, desto stabilere Produktion.“

Technische Ammen erfordern zwar noch Weiterentwicklung sowie Mittel für die Anschaffung, machen dafür aber die mit Ammensauen notwendige Arbeit überflüssig.

Kranke Sauen identifizieren, bevor sie Ferkel erdrücken

Nur wenige Sauen in Freilaufhaltung erdrücken ihre Ferkel – meistens handelt es sich um kranke Sauen. Entsprechend wichtig ist es, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Versuche haben ergeben, dass Haut- und kurze Rektalthermometer keine gute Entscheidungsgrundlage liefern. Bessere Ergebnisse erzielt man mit längeren Rektalthermometern in Kombination mit Überwachung auf andere klinische Anzeichen.