Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft

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Breite Vereinbarung zur ‚grünen Umstellung‘ der dänischen Landwirtschaft steht

Am 4. Oktober 2021 beschloss eine breite Mehrheit vom rechten bis linken Flügel im dänischen Parlament die langersehnte Vereinbarung zur ‚grünen Umstellung‘ der dänischen Land- und Forstwirtschaft.

Förderung der ‚grünen Umstellung‘ in Land- und Forstwirtschaft
Die zentrale Botschaft lautet: Die Landwirtschaft muss das Ihre dazu beitragen, dass Dänemark seinen Klima-Fußabdruck bis 2030 um 70 % reduziert und ab 2050 komplett klimaneutral wirtschaftet. Darüber hinaus beschreibt die Vereinbarung in Rahmenbedingungen, wie es der Landwirtschaft gelingen soll, die bis 2030 mindestens geforderte 55-65%ige Reduktion zu schaffen. Im Fokus stehen dabei ständige Weiterentwicklung, grüne Investitionen, Forschung sowie – auch wirtschaftlich – nachhaltige Umstellung auf umwelt- und klimaverträglichere Sicht- und Herangehensweisen. So soll effizienter Klimaschutz im Einklang mit der Sicherung von Betrieben und Beschäftigten der Branche sichergestellt werden.

Sieben Punkte für die grüne Zukunft der Landwirtschaft

  1. Entwicklung statt Abwicklung
  2. Mehr Umwelt- und Klimaverträglichkeit im Einklang mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit
  3. Senkung der Treibhausgas-Emissionen unter Berücksichtigung weiterhin nachhaltiger Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit der Branche, gesunder öffentlicher Finanzen, Beschäftigungsentwicklung sowie sozialer Kohäsion und Gerechtigkeit
  4. Senkung von Nährstoffemissionen zur Verbesserung der Wasserqualität
  5. Rücksichtnahme auf Natur und Biodiversität
  6. Sicherung tragfähiger Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft sowie die landesweite Sicherung ihrer Arbeitsplätze
  7. Die Landwirtschaft soll weiterhin Arbeitsplätze schaffen, zur Erzeugung guter, gesunder, sicherer, umwelt- und klimaverträglicher Nahrungsmittel beitragen und so eine entscheidende Rolle für dänische Exporte behalten.

Zentrale Themen und Herausforderungen
Einige Fragen lässt die Vereinbarung unbeantwortet. Insgesamt zeigt sie zwar auf, wie die Landwirtschaft ihre Klimagas-Emissionen bis 2030 um bis zu 7,4 Mio. Tonnen CO2 reduzieren kann. Die konkret vorgeschlagenen Initiativen ergeben jedoch bis 2030 lediglich eine Senkung um 1,9 Mio. Tonnen CO2. Die angestrebten Reduktionen um 8 Mio. Tonnen CO2 bis 2030 sollen durch Erforschung bislang unbekannter Faktoren und Möglichkeiten erzielt werden – für 2023 ist eine Bestandsaufnahme geplant. Man hofft auf die Entwicklung neuer Technologien, deren Förderung Teil der Vereinbarung ist: 575 Mio. DKK (rund 77,3 Mio. EUR) sind dafür vorgesehen. Insgesamt werden für die ‚grüne Umstellung‘ der Landwirtschaft staatliche Fördermittel in Höhe von rund 3,8 Mrd. DKK (gut 0,5 Mrd. EUR) bereitgestellt.

Vorsitzender beurteilt die Vereinbarung positiv
„Gut finde ich auch, dass die Parteien statt einer bloßen Umverteilung mehr Mittel für grüne Investitionen vorgesehen haben, sodass wir wirklich mehr für den Klimaschutz tun können. Ärgerlich finden wir allerdings, dass die freiwillige Renaturierung von Feuchtgebieten weiterhin teilweise aus EU-Mitteln finanziert werden soll. Es gelang uns zwar, diesen Anteil von knapp drei Milliarden auf knapp eine Milliarde zu senken, aber wir hätten gern eine runde Null gesehen“, erklärt Søren Søndergaard, Vorsitzender des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft.

Klare Klimavisionen seit 2019
Die Vision C02-neutraler Produktion ab 2050 verfolgt die dänische Land- & Ernährungswirtschaft in enger Partnerschaft mit Politikern, Forschern und anderen Interessenten sowie im Einklang mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, seit der Dänische Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft 2019 seine Klimaschutzziele präsentierte.
Die Umsetzung der Vision in Kooperation mit relevanten Partnern in Dänemark erfordert erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung. Derzeit erforscht man u.a. das Potenzial der Renaturierung von Niederungen bzw. Feuchtgebieten und kohlenstoffreichen Anbauflächen für die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Auch das Wissen rund um die Entwicklung neuer Technologien zur Senkung der Emissionen aus der Schweinehaltung soll zügig erprobt und umgesetzt werden.
Die Suche nach weiteren Lösungen für die anstehenden Herausforderungen wird fortgesetzt – und zwar in verstärkter Zusammenarbeit mit Universitäten, Betrieben und Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie der dänischen Regierung.

Fakten zur Klimavision 2050 des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft:

1) Wir arbeiten auf Feldern – Im Pflanzenanbau sehen wir auf der Grundlage bekannten Wissens das größte Reduktionspotenzial
2) Wir arbeiten mit Energie – Biogasanlagen verwandeln Nutztierdung und organische Restprodukte in Energie und umweltfreundlichen Dünger und senken Methan- und Lachgasverluste
3) Wir arbeiten im Kuhstall – Durch Zusatz von Fett zum Rinderfutter wird im Verdauungstrakt weniger Methan gebildet, was die Treibhausgas-Emissionen in Stall- und Freilandhaltung reduziert.
4) Wir arbeiten im Schweinestall – Maßnahmen zur Änderung der Handhabung von Dung können die Emissionen reduzieren. So kann bereits häufige Gülleausschleusung die Emissionen aus der Stallhaltung um ca. 22 % senken

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Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft
Søren Søndergaard, Vorsitzender des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft