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Verbrauchertrends im Kielwasser von Corona

COVID-19 hat neue Verbrauchertrends geschaffen. Gesundheit, Selbstverwöhnung, Sicherheit und Geborgenheit sind seit Beginn der Pandemie stärker im Bewusstsein der Konsumenten verankert. Es dürfte sich um eine anhaltende Entwicklung handeln – wobei auch Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit weiter im Fokus stehen werden. Die Frage ist: Wie wird sich die Rolle von Schweinefleisch in den kommenden Jahren entwickeln?

Die Pandemie hat die Einkaufsgewohnheiten verändert: weniger Restaurantbesuche, mehr Online-Handel mit Lieferung von Mahlzeitkästen bzw. fertigen Mahlzeiten ins Haus etc. Genusserlebnisse nehmen im Alltag ebenso mehr Platz ein wie die Qualität von Nahrungsmitteln und die gesundheitliche Vorbeugung.

Lebensmittelsicherheit vermittelt Geborgenheit
Qualität, Geschmack und Preis sind und bleiben wichtige Parameter. Durch die Pandemie wurden und werden sie um soziale sowie andere Sicherheit und Geborgenheit vermittelnde Kriterien erweitert. Die Konsumenten interessieren sich vermehrt für Themen wie Lebensmittelsicherheit, Gütesiegel, Zertifikate, Produktqualität, Lieferketten oder Rückverfolgbarkeit.

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Gesundheit stärker im Mittelpunkt
Die gesundheitlichen Aspekte von Nahrungsmitteln sind während der Pandemie stärker in den Mittelpunkt gerückt. In Umfragen erklären Befragte, sich entweder mehr oder auch weniger gesund zu fühlen als zuvor. Zumindest ein Teil der Konsumenten hat sich während der Pandemie gesünder ernährt, um Krankheiten vorzubeugen.
Andere haben Trost im Essen gesucht und ein paar ‚Corona-Kilo‘ zugenommen. Man hat mehr selber gekocht, aber auch mehr süße Sachen, alkoholische Getränke etc. zu sich genommen, um sich selbst zu verwöhnen oder es sich im Kreis der Familie gemütlich zu machen.

„Gemütlichkeit und Wohlbefinden – oder Hygge, wie wir Dänen es nennen – erhielten in der Pandemie mehr Raum. Gefühle von Kontrollverlust, Unsicherheit oder Zukunftsangst sowie die vielen Verhaltensvorschriften haben den Fokus auf die mentale Gesundheit verstärkt – man will sich selbst was gönnen und sich wohlfühlen. Wenn die Möglichkeiten außer Haus eingeschränkt sind, macht man es sich eben daheim gemütlich“, erklärt Nina Preus, Konsumsoziologin im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft.

Nina Preus: „Durch Essen und Trinken lässt man die Disziplin beiseite, genießt das Leben und gönnt sich selbst oder seinen Lieben was Gutes – fast wie Weihnachten! Wenn die Pandemie vorüber ist, lebt man dann wieder gesund – vielleicht sogar noch mehr als zuvor.”

Wie bei Weihnachten wird man sich nach der Pandemie wieder auf seine Gesundheit konzentrieren und die Folgen des ‚ungesunden Lebenswandels‘ durch viel Bewegung und gesunde Ernährung mildern oder gar ausräumen.

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Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Leitwerte
Seit einigen Jahren gibt es einen anhaltenden Trend, sich beim Einkaufen an Leitwerten bzw. seinen eigenen Werten zu orientieren. Eine im Sommer 2019 und 2020 von Epinion im Auftrag des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft durchgeführte Umfrage ergab, dass 8 von 10 Konsumenten bereit waren, ihr Einkaufsverhalten mit Blick auf Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit etc. zu ändern. In der Pandemie hat sich dieser Fokus in Richtung Gesundheit, Geborgenheit und Selbstverwöhnung verschoben. Nach Corona werden Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit etc. erneut voll im Fokus stehen. 

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Nachhaltiges Schweinefleisch
Überlegungen zu Umwelt-/Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden Schweinefleisch nicht vom Speiseplan verbannen. In allen europäischen Ländern gibt es zwar eine Tendenz, im Hinblick auf Umwelt-/Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Gesundheit weniger Fleisch und mehr pflanzliche Nahrungsmittel zu essen. 



Foto: Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft

Man wird also weniger Fleisch verzehren, dafür aber beim Einkauf mehr Wert auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Tierwohl legen. Was den Klimaschutz angeht, steht dänisches Schweinefleisch auf einer Stufe mit Hähnchenfleisch. Gleichzeitig bringt Schweinefleisch eine Umami-Komponente in Gemüsegerichte. Schweinefleisch dürfte also eine Zukunft haben – und zwar mit mehr Klasse als Masse.

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Nina Preus, Konsumsoziologin, Marktforschung, Konsumwirtschaft & Statistik
Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft