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Reduktion des Antibiotikaverbrauchs und Zinkverbot

Die ständige Minimierung des Antibiotikaverbrauchs zählt zu den zentralen Fokusbereichen der dänischen Schweinebranche.

Dies gilt natürlich auch für Ferkelerzeuger, bei denen mit Blick auf das spätestens 2022 in Kraft tretende Zinkverbot derzeit allerdings die Senkung des Verbrauchs von medizinischem Zink höchste Priorität hat. Hier zeigt sich eine positive Entwicklung:

Laut Nicolai Rosager Weber, Tierarzt und Abteilungsleiter Nutztier-Innovation beim SEGES Pig Research Centre im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft erreichte der Zinkverbrauch 2014 mit knapp 440 t seinen Höhe- und Wendepunkt. Seither geht er – mit Ausnahme des Jahres 2017 – stetig zurück. 2019 lag er bei gut 380 t. Dies entspricht unter Berücksichtigung der produzierten Ferkel einer Reduktion um 11 %.

Nicolai Rosager Weber: „Dabei konnten wir den Zinkverbrauch ohne eine Zunahme bei den Antibiotikagaben reduzieren.“

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Zum Antibiotikaverbrauch erklärt Veterinärepidemiologe Jan Dahl, der sich als Chefberater Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin, Risikoanalyse u.a. mit Antibiotika, Resistenzen und Tierseuchen befasst:

In Dänemark ist vorbeugende Behandlung mit Antibiotika verboten. 2019 lag der Antibiotikaverbrauch bei 2,8 g pro erzeugtem Schlachtschwein – 33 % weniger als 2009.
Das in der VetStat-Datenbank erfasste Antibiotika-Monitoring erlaubt in Dänemark – anders als in den meisten anderen europäischen Erzeugerländern – die Auswertung des Verbrauchs nach Nutztierarten.

Reserveantibiotika kritischer als andere Antibiotika
Die WHO und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) haben eine Reihe von Antibiotika definiert, die nicht oder nur in äußerst begrenztem Umfang in der Nutztierproduktion verwendet werden sollten. Diese Reserveantibiotika werden in der Humanmedizin in schwierigen Fällen eingesetzt, beispielsweise gegen ansonsten resistente Erreger, und sollen deshalb weitestgehend humanmedizinischen Anwendungen vorbehalten bleiben.

Wichtige Reserveantibiotika – Fluorchinolone sowie Cephalosporine der dritten und vierten Generation – werden in Dänemark schon seit Jahren nicht mehr zur Behandlung von Nutztieren eingesetzt. Colistin wird seit zwei Jahren nicht mehr verwendet.

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Das dänische Antibiotika-Überwachungssystem gewährleistet lückenlose Erfassung. Als in einem Schweinebestand einmal der Einsatz von Fluorchinolon registriert wurde, zeigte eine nähere Untersuchung, dass der Hund des Landwirts damit behandelt worden war.

Dem jährlich erscheinenden ESVAC-Bericht (European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption) zufolge verwenden die meisten Erzeugerländer nach wie vor die oben genannten Reserveantibiotika, in jüngster Zeit jedoch in Jahr für Jahr abnehmenden Mengen.

Übersicht über den Antibiotikaverbrauch in der dänischen Schweineproduktion von 2005 bis 2019

Die Reduktion des Antibiotikaverbrauchs hat nach wie vor hohe Priorität. Notwendige Behandlungen müssen aber weiterhin möglich sein. Mit der Zeit werden weitere Reduktionen immer schwieriger. Das anstehende EU-weite Zinkoxidverbot macht die Sache nicht leichter und stellt für die Schweinebranche eine große Herausforderung dar.

 Fakten zum Zinkeinsatz:

In der Ferkelerzeugung kommen zwei Arten von Zink zum Einsatz. Als Futterzusatz erhalten die Ferkel für normales Gedeihen lebensnotwendiges mineralisches Zink.

Medizinisches Zink (Zinkoxid) dient als ebenfalls dem Futter beigemengtes Tierarzneimittel zur Behandlung von Ferkeldurchfall (E. coli). Die rezeptpflichtige Medizin wird vom Tierarzt verschrieben und von der Apotheke bezogen. Diese Form von Zink soll ab spätestens 2022 aus der Schweineproduktion verschwinden.

Nicolai Rosager Weber

Tierarzt

+45 3339 4457


Jan Dahl

Chefberater

+45 33 394 406


Fachgebiete: Lebensmittelsicherheit, Antibiotikaverbrauch, MRSA/Resistenzen