Foto: Seges

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20 Zusatzanforderungen für noch mehr Tierwohl

Die dänische Landwirtschaft sorgt über die EU-Tierwohl-Vorgaben hinaus mit zusätzlichen Vorschriften für optimale Haltungsbedingungen.

Hier ein kurzer Überblick über 21 dänische Zusatzanforderungen:

1.  Aus eigener Initiative peilt die dänische Schweinebranche – als bislang weltweit einzige – die Freilaufhaltung von Sauen in Abferkelställen an (10 % spätestens 2020). Derzeit leben bereits mehr dänische Sauen in Freilaufhaltungsställen als in Freilandhaltung.

2.  Alle neuen Deckställe werden für Gruppenhaltung ausgelegt, die ab 2035 für sämtliche Ställe vorgeschrieben ist. Die Sauen stehen also nicht mehr in Besamungsboxen, sondern können sich in ihrer Gruppe frei bewegen. So weit geht man derzeit nur in Dänemark, Schweden, Norwegen und Großbritannien.

3.  In allen Ställen für Schweine von mehr als 20 kg sorgen Berieselungsanlagen für Abkühlung und ein gutes Stallklima.

4.  Sämtliche Ställe müssen sowohl Beschäftigungs- als auch Wühlmaterialien bieten. In anderen Ländern ist lediglich Beschäftigungsmaterial vorgeschrieben.

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5.  Beschäftigungs- und Wühlmaterialien müssen natürlichen Ursprungs sein, z.B. Stroh, Holz oder andere Naturmaterialien.

6.  Metallketten, wie sie in anderen EU-Ländern zulässig sind, dürfen in Dänemark nicht als Beschäftigungsmaterialien zum Einsatz kommen.

7.  Seit Anfang 2019 hat Ferkelkastration unter Lokalanästhesie zu erfolgen. Die bislang vorgeschriebene Schmerzlinderung ist weiterhin Pflicht. Laut EU-Verordnung ist Kastration ohne Betäubung bzw. Schmerzlinderung möglich.

8.  Separate Ferkelnester sind obligatorisch. Diese schützen die Ferkel davor, vom Muttertier erdrückt zu werden. Dass diese Gefahr minimiert wird, hat auch für die Sauen beruhigende Wirkung.

9.  Unabhängige Drittkontrollen auf Einhaltung von Tierschutz und Lebensmittelsicherheit in allen dänischen Schweinebeständen. Parallel zu den behördlichen Kontrollbesuchen wird die Einhaltung der Zusatzanforderungen zum Tierschutz und zur Lebensmittelsicherheit im Rahmen der DANISH Qualitätssicherung überprüft.

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10.  Obligatorische Gesundheitsberatung mit gezieltem Einsatz fürs Tierwohl. Alle Betriebe mit mehr als 300 Sauen müssen die regelmäßige Gesundheitsberatung mit einem Tierarzt vereinbaren. Neben Gesundheit und Tierschutz geht es dabei auch um Transparenz.

11.  Tierarzt und Landwirt müssen gemeinsam bis zu drei Fokusbereiche mit konkreten Zielen und Maßnahmen für den Tierschutz vereinbaren.

12.  Einstreu (Stroh) in Ställen für trächtige Sauen.

13.  Teilbefestigte/perforierte Böden für Ferkel (50 %) und Mastschweine (30 % der Gesamtfläche) als Liege-/Ruheflächen.

14.  Klare Vorgaben zur Zahl von Krankenbuchten für trächtige Sauen.

15.  Weiche Liegefläche, Wärmequelle und Abkühlungsmöglichkeit in allen Krankenbuchten.

16.  Gelbe Karte/Sanktionen für Landwirte, deren Arzneimittelverbrauch die festgesetzten Grenzwerte überschreitet.

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17.  2010 stellte die dänische Schweinebranche freiwillig den Einsatz von Cephalosporinen ein, die als Reserveantibiotika in der Humanmedizin benötigt werden. Fluorchinolone und Colistin werden in der dänischen Nutztierhaltung ebenfalls nicht mehr eingesetzt.

18.  Sauentransporte sind auf 8 Stunden begrenzt.

19.  Verschärfte Anforderungen zur Einrichtung von Schweinetransportfahrzeugen (mechanische Lüftung, Trinkwasser, Kühlung, GPS, die EU-weit nur im Fernverkehr, in Dänemark aber für alle Transporte vorgeschrieben sind).

20.  Tierärzte dürfen Arzneimittel nur verschreiben, der Verkauf ist Apotheken vorbehalten. Anders als nach EU-Vorgaben besteht so kein finanzieller Anreiz zum Einsatz von Arzneimitteln.

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Weitere Informationen erhalten Sie bei Leiterin Export- & Marketing-Management Deutschland und Schweden Kirsten Vernon Kristiansen vom Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft, kvk@lf.dk.