Claus Fertin, GF des SEGES Pig Research Centre, zur Reduktion von Antibiotika

2013 kamen die dänischen Schweineproduzenten mit 10 % weniger Antibiotika aus als 2010. Und bis spätestens 2020 soll der Verbrauch um weitere 10 % gesenkt werden. Wir sprachen mit Claus Fertin, dem Geschäftsführer des SEGES Pig Research Centre.

Interview mit Claus Fertin, Geschäftsführer des SEGES Pig Research Centre:

Was tut sich beim Antibiotika-Einsatz in dänischen Schweineställen?

Claus Fertin: "Von 2010 auf 2013 haben wir den Antibiotika-Verbrauch um 10 % reduzieren können. Nun peilen wir für 2020 die Senkung um weitere 10 % an, was angesichts des bereits sehr niedrigen Ausgangsniveaus eine große Herausforderung darstellt. Darüber hinaus haben wir vor vier Monaten eine Halbierung des Tetracyclin-Einsatzes im Laufe des kommenden Jahres beschlossen."

Europaweite MRSA-Vorkommen in Schweineställen machen Schlagzeilen. Was unternimmt die dänische Schweinebranche gegen resistente Bakterien?

Claus Fertin: "MRSA werden wir durch Senkung des Antibiotika-Verbrauchs nicht ausräumen können. Aber wir können durch verantwortliches Handeln vermutlich zukünftigen Resistenzproblemen vorbeugen und anderen Ländern mit wesentlich höherem Antibiotika-Verbrauch mögliche Lösungswege aufzeigen."

In Dänemark sind etwa 2 % aller Staphylokokken resistent gegen die gängigsten Antibiotika, in Südeuropa sind es 20 %. Was können wir tun, um die Ausbreitung resistenter Bakterien einzudämmen?

Claus Fertin: "Niemand dürfte größeres Interesse an der Ausrottung dieser Bakterien haben als die dänische Schweinebranche. Im Alleingang können wir das Problem aber nicht lösen. Erfolg ist nur auf internationaler Ebene möglich. Deswegen gilt es, in der EU Druck zu machen und die Resistenzprobleme auf die Tagesordnung zu setzen. Auch und besonders in Ländern, wo dies bislang noch nicht geschehen ist."

Der Svineafgiftsfond hat soeben 2,4 Mio. DKK für konkrete Forschungsvorhaben bereitgestellt, die u.a. die Infektionswege der Nutztier-MRSA (MRSA CC 398) näher untersuchen sollen. Warum wendet man so viel Geld für die Erforschung von MRSA auf?

Claus Fertin: "Uns fehlt es einfach noch an Wissen über MRSA CC 398, also müssen wir zunächst herausfinden, wie wir am besten dagegen angehen. Entscheidungen ohne solide Wissensgrundlage führen meist zu nichts. Aus dem Stand werden wir MRSA nicht ausrotten. Vermutlich ist es sogar unmöglich in einer Welt, wo Tiere, Menschen und Waren mehr oder weniger frei von Land zu Land wandern. Aber wir werden nichts unversucht lassen, um MRSA CC 398 in der Schweineproduktion zu isolieren und die Vorkommen möglichst stark zu reduzieren."